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Mit dem Zug durch Südchina

Eine wunderschöne Reisemöglichkeit, allerdings eher für diejenigen, die mehr Low-Budget bevorzugen, ist die Fahrt von Hong Kong nach Vietnam. Da gibt es mehrere Möglichkeiten, aber ich möchte meine Reise durch Guangdong, Guanxi und Yunnan kurz berichten.




Hong Kong war für mich eigentlich nur ein Notbehelf, da ich nicht wusste, ob ich ein Visum für China bekomme. So hätte ich die Möglichkeit gehabt, mir in Hong Kong noch ein schnelles Visum zu besorgen, oder aber, da ich in Vietnam lebe, mit dem Expressboot nach Haiphong zurückzufahren. Ich bin noch nie zuvor in China gewesen, habe mich aber intensiv mit diesem Land auseinander gesetzt und spreche auch leidlich Chinesisch. So war ich denn, als man mir in der Botschaft diesen Vorschlag mit Hong Kong unterbreitete, erst mal hin- und hergerissen. Ich habe dann wochenlang geplant, welche Reiseroute ich denn nehmen sollte, mich dann aber kurzzeitig entschlossen, eigentlich gar nicht mehr zu planen, sondern alles auf mich zukommen zu lassen.

Hong Kong ist natürlich eine gigantische Stadt. Da ich schon von Bangkok überwältigt war, und Kuala Lumpur mir den Atem geraubt hat, war ich von Hong Kong vom ersten Anblick an wie gelähmt. Ich mag mehr Kultur und Geschichte, etwas was man hier selten findet – nicht missverstehen, denn ich meine damit, dass in den großen Städten nun eben alles neu gebaut ist und überbaut ist. Zwei Tage hier waren dann auch für mich genug. Ich bin bereits recht früh am Morgen nach Shenzhen raus gefahren, um dort über die Grenze zu gehen. Trotz der Schwierigkeiten, als Individualreisender ein Visum zu bekommen, machte der Grenzübertritt gar keine Probleme. Auch das Finden der Zuglinie, die nach Guangzhou fahren sollte, gelang mir. Ich fuhr in einem normalen Wagen ohne Klimaanlage und mit Hartsitzen. Obwohl ich da hart im nehmen bin, muss ich sagen: Oh je, eine mehr als schmerzhafte Erfahrung!

Südchina

Südchina ©iStockphoto/efired

Guangzhou, eine wirtschaftlich prosperierende Stadt, malerisch am Perlfluss gelegen, hat einiges zu bieten. Hier ist das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Südchinas. Ich bin eigentlich nur hierhin gekommen, um das Museum zu sehen, aber abends am Perlfluss entlang zu spazieren und die Skyline zu sehen, ist fast das schönste gewesen, was ich erleben konnte.

Guilin, die Touristenhochburg, die leider wenig Charme besitzt. Das einzige, was diese Stadt anziehend macht, ist ihre Landschaft, die Karstgebirge, die ja so typisch für diese Region sind. Leider hatte ich nicht die Möglichkeit, weiter nach Süden, nach Yangshuo zu fahren. Denn von hier aus trat ich die 1300 km lange Zugfahrt nach Kunming an, aber in bequemeren Sitzen. Die Zugfahrt hat 23 Stunden gedauert und die Eindrücke, die auf einen einfließen, sind kaum zu bewältigen.

Yunnan ist das grüne Paradies Chinas, hier erlebt man alles, was man sich von dem exotischen Reiseland erhofft: Wasserfälle, sattes Grün, fast schon Regenwald, Karstgebirge, nette Menschen und einheimische Minderheiten. Yunnan allein wäre schon eine ganze Chinareise wert! Da man von Kunming mittlerweile schlecht nach Hanoi in Vietnam kommt, habe ich die Route über Nanning gewählt, also quasi zurückgefahren. Aber diese Landschaften sind einfach so schön, dass es sich lohnen würde, hier jeden Tag zu fahren. Die Rückreise nach Hanoi verlief ohne Schwierigkeiten, aber ich möchte einmal kurz andeuten, dass diese Fahrten auch nicht unproblematisch waren. Nicht, dass sie gefährlich waren, nein, aber leider sind Zugtickets häufig ausverkauft. Zweimal ist es mir während meines Aufenthaltes in China passiert, dass ich warten musste – glücklicherweise nur einen Tag jeweils. Aber wenn man nicht gerade einen offenen Rückflug hat, sollte man sich auf ein solches Abenteuer eher nicht einlassen. Manche Reisende müssen auch schon einmal eine Woche auf den nächsten Zug warten. Für Individualreisende ist diese Fahrt mit dem Zug einfach ideal!

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