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Xian

Die Stadt Xi’an ist eine der ältesten besiedelten Regionen Chinas. Schon in prähistorischer lebten hier Menschen, deren Spuren man heute noch finden kann. Xi’an ist die Hauptstadt der Provinz Shaanxi und liegt ungefähr im Zentrum der Volksrepublik. Der Name – der im Laufe der wechselvollen Geschichte der Stadt desöfteren geändert wurde – bedeutet „westlicher Friede“; Xi’an ist Ausgangspunkt der berühmten Seidenstraße und ist heute eine der wichtigsten Industrie und Wissenschaftszentren des Landes. Heute leben in der Stadt samt Umland über 7 Millionen Menschen, der Tourismus ist eine große Einnahmequelle. Deutsche Partnerstadt ist Dortmund. Gegründet wurde Xi’an im 11. vorchristlichen Jahrhundert; damals allerdings unter dem Namen Chang’an. Begründer der Stadt war das Herrschergeschlecht der Qin.




In den nächsten fast 1200 Jahren war die Stadt Residenz der ersten chinesischen Herrscherdynastien, sie wurde jedoch während eines Aufstandes um das Jahr 18 nach Christus völlig zerstört, so dass die Hauptstadt des Reiches für 500 Jahre nach Luoyang verlegt wurde. Vor der Verwüstung hatte Chang’an fast eine Viertelmillion Einwohner und kann daher zu den größten antiken Städten der Welt gezählt werden. Im Jahr 582 baute man die Stadt wieder an (fast) ursprünglicher Stelle auf, jetzt allerdings unter dem Namen Daxing. In den folgenden Jahrhunderten nahm Daxing für damalige Zeiten überwältigende Ausmaße an: Eine Million Menschen lebten hier auf über 90 Quadratkilometern.

Das machte Daxing nun endgültig zur damals größten Stadt der Welt, in der Bedeutung gleichrangig mit Rom oder Konstatinopel. Den Namen Xi’an erhielt die Stadt erst im Jahre 1369. Den höchsten Bekanntheitsgrad aller Sehenswürdigkeiten in Xi’an besitzt wohl die Terrakotta –Armee des Kaisers Qin Shihuangdi. Dieser Herrscher lebte im zweiten Jahrhundert vor Christi Geburt und begann direkt nach seiner Thronbesteigung, fast noch ein Kind, mit dem Bau seiner gewaltigen Grabanlage. Qin Shihuangdi ist eine der bekanntesten und bedeutendsten Herrscherfiguren des Landes; er einte das Reich militärisch und gab ihm schon vor 2000 Jahren annähernd die heutigen Umrisse, außerdem ließ er die Große Mauer erweitern.

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Um im Jenseits nicht schutzlos zu sein, ließ sich der Kaiser eine gewaltige Armee mit in sein Grab geben. Über 7000 Krieger aus Terrakotta, jeder mit individuellen Gesichtszügen, farbig bemalt und mit echten Rüstungen und Waffen versehen – originalgetreu je nach Waffengattung – sollten die Ruhe ihres Herrschers bewachen. Hinzu kamen noch unzählige Tonpferde in Originalgröße sowie eine große Zahl an Streitwagen. Dieser archäologische Schatz kam im Jahre 1974 ganz zufällig ans Tageslicht, als Bauern bei der Feldarbeit auf alte Tonscherben stießen. In mehreren Metern Tiefe fand sich bei den anschließenden Grabungen die gewaltige Leibwache des toten Kaisers. Die spektakuläre Terrakotta-Armee ist heute in mehreren Ausstellungshallen zu besichtigen. Die Grabungen dauern noch immer an. Man kann sich beim Besuch der riesigen, beeindruckenden Anlage gut vorstellen, wie lange die mehreren Tausend Menschen mit der Ausgestaltung der Armee und des Grabes beschäftigt gewesen sein müssen!

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Eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt ist die sehr gut erhaltene Stadtmauer, die sich um die Innenstadt erstreckt. Sie wurde Ende des 14. Jahrhunderts, während der Ming-Dynastie, zum Schutz der Stadt erbaut, ist 12 Meter hoch und wehrhafte 18 Meter breit. Als weiteren Schutz verfügt die Mauer über mehrere Tausend Zinnen und auch Türme, von denen aus sie verteidigt werden konnte. Um die Mauer herum befand sich zudem noch ein Graben. Bewohner und Besucher der Stadt konnten Xi’an durch vier Tore betreten: durch das Nord-, Ost-, Süd- und das Westtor. Diese stark befestigten Tore waren mit einer Zugbrücke gesichert, die morgens heruntergelassen wurde und die man abends wieder hochzog. Hierfür spielten der sogenannte Trommelturm und der Glockenturm eine wichtige Rolle. Diese beiden Türme im typisch chinesischen Pagodenstil wurden im 14. Jahrhundert errichtet und sagten durch Trommelwirbel oder Glockenschläge die Zeit an. Die Glocke signalisierte zudem morgens das Herunterlassen der Zugbrücken, während die Trommel abends das Signal gab, die Brücke wieder hochzuziehen. Ein bewundernswert ausgeklügeltes System! Auch Trommel- und Glockenturm sind auf jeden Fall eine Besichtigung wert.

Nicht vergessen werden sollten die Tempelanlagen der Stadt; noch heute verbindet wohl jeder Europäer mit dem Alten China die elegant – leichten Pagodentempel mit ihren prächtigen Schnitzereien. Sehr bekannt ist die sogenannte Große Wildganspagode, ein Tempel aus dem siebten Jahrhundert nach Christus. Hier wurden die ersten buddhistischen Schriften, aus Indien ins Reich gebracht, ins Chinesische übersetzt und aufbewahrt. Die Große Wildganspagode ist 64 Meter hoch und besitzt sieben Stockwerke; sie ist ein Symbol Xi’ans. Man kann die Pagode über eine Holztreppe besteigen; vom obersten Stockwerk bietet sich eine grandiose Aussicht. Neben der Großen gibt es auch noch die Kleine Wildganspagode. Sie steht im Jianfu–Tempel und ist 36 Meter hoch. Nach einem Erdbeben umfasst sie noch 13 von ehemals 15 Etagen. Interessanterweise gibt es in Xi’an sogar eine muslimische Moschee aus dem 8. nachchristlichen Jahrhundert, auch sie im chinesischen Pagodenstil erbaut. Ein Beweis für die religiöse Freiheit im Alten China. Ein weiteres Highlight der Stadt ist der sogenannte Stelenwald: Hier wurden im 11. Jahrhundert nach Christus unter anderem buddhistische Weisheiten verewigt. Die über 1000 Stelen geben auch wertvolle Einblicke in die kunstvolle chinesische Kalligraphie der letzten 1000 Jahre. Der Stelenwald ist heute in einem Museum zu bewundern, dessen Reichtum man sich gut vorstellen kann, wenn man hört, dass es fast 3000 Quadratmeter umfasst! Nur 30 Kilometer von Xi’an entfernt schließlich kann man die Thermalquelle Huaqing besuchen, die schon vor Jahrtausenden für ihre heilende Wirkung bekannt war. Schon den früheren Herrschern war diese erholsame Wirkung des warmen Wassers bekannt: Der Kaiser Xuan Zong besuchte so zum Beispiel die Quellen gern als Winterdomizil mit seiner Lieblingskonkubine. Das heutige Xi’an bietet dem Touristen zudem die gewohnten Attraktionen und Annehmlichkeiten: Eine sehr große Anzahl an Hotels jeder Preis- und Ausstattungsklasse, zudem Jugendherbergen und Pensionen, außerdem auch eine durchaus beachtliche Zahl von Bars, Kneipen, Diskotheken, Restaurants oder Kaffee- und Teehäusern.

Natürlich ist diese Aufzählung von Sehenswürdigkeiten nicht abschließend: In der Umgebung der Stadt gibt es noch diverse Naturparks, Wälder und Gebirgszüge, die einen Besuch lohnen. Hier empfiehlt sich die Recherche im Internet oder eine Nachfrage im Reisebüro. Wer sich bei seinem Chinaurlaub eine Vorstellung von der Pracht des ursprünglichen Chinas machen will, der kommt an Xi’an wohl nicht vorbei.